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Freitag, 28. April 2006
Sarah Kuttner - Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens
Ich kenne Frau Kuttner nicht. Sie soll bei MTV eine Show haben. Auf dem Sendeplatz, den früher einmal MTV belegte, habe ich nur eine graue Wand und nervtötendes Rauschen. Ob das nun besser ist, als das gegenwärtige Programm, vermag ich nicht zu sagen. Bei MTV zischt es in meinem Fernseher schon seit geraumer Zeit. Sarah Kuttner wäre ein guter Grund nach dem verlorenen Sender zu fanden, Popetown war es nicht. Im Augenblick ist Frau Kuttner aber noch im Osterurlaub, und ich habe sämtliche Wiederholungen ihrer Sendung verpasst. Die letzte lief gestern. Es wäre ganz interessant zu erfahren, ob Sarah Kuttner im Real-TV-Life genauso witzig ist, wie sich ihr Buch liest.

Das fasst die Kolumnen aus der Süddeutschen Zeitung und dem Musikexpress zusammen. Geadelt wird es durch eine Kritik Harald Schmidts auf der Rückseite: "Sarah Kuttner ist der Beweis: Es gibt auch Frauen, die es können. Ich lese das wirklich sehr gerne, ..." Nun, Herr Schmidt kann in letzter Zeit wohl nicht viel gelesen haben. Völlig daneben fand ich die Rezension eines H. P. Baxxter, wer zum Geier ist H. P. Baxxter, die wohl witzig sein sollte. Die hätte er und der Verlag uns ersparen können. Harald Schmidt als Rezensent ist ausreichend.

Während Frau Kuttner in ihrer Musikexpresskolumne über Themen wie Toast, Six Feet Under, Saufen, Frühvergreisung und musikfreie Sonntage grübelt, ist die SZ-Kolumne ein Frage-und-Antwort-Spiel. Der Musikgeschmack von Sarah Kuttner scheint von Adam Green, Moneybrothers und Mando Diao bestimmt zu sein. Jedenfalls geistern die auffallend häufig durch die Kolumne. Muss man die Jungs kennen? Die letzte Frage in der SZ-Kolumne lautet immer: Was wird besser? Mir kommt bei dieser Formulierung grusligerweise sofort Frau Ruge in den Sinn. Aber wenigstens bedeckt die in letzter Zeit ihre dünnen Ärmchen. Nun ja, alles wird gut.

Nebenbei erfährt der Leser auch, was ihn brennend interessiert, mit welchen Typen Frau Kuttner das Bett teilt, und wie das selbige aussieht. Gemusterte Bettwäsche mag sie nicht, die würde vom Schlafen ablenken. Also mir wäre das egal. In meinem Schlafzimmer ist es nachts duster, und ich halte beim Schlafen die Augen fest geschlossen. Sarah Kuttner steht nicht auf One-Night-Stands sondern auf eine gewisse Vertrautheit. Wow, das gibt diese Frau auch noch öffentlich zu. Andere hätten jetzt schon längst geschildert, wie sie einen Chippendaletypen in die Flugzeugtoilette zerrten und dort vernaschten. Das Publikum liebt solche illustren Geständnisse, es erhöht die Auflage. Erstaunlich, muss Frau Kuttner nicht auf die Quote schielen?

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